Brand-Einsätze 2014



Brand im Kapitelhaus von St. Stephan, 14.08.2014

Unter dem Alarmstichwort „Zimmerbrand“ wurden die Ständige Wache und die Löschgruppe Kaulberg der Feuerwehr Bamberg am 14.08.2014 gegen 17:40 Uhr an den Stephansberg alarmiert. Bereits auf der Anfahrt konnte durch die Einsatzkräfte über den Dächern der Häuser am Stephansberg eine Rauchentwicklung festgestellt werden. Es war erkennbar, dass der Rauch aus einer Dachgaube eines Hauses quoll. Aufgrund dieser Erkenntnisse wurde durch die Einsatzleitung noch auf der Anfahrt die Alarmierung einer zusätzlichen Drehleiter veranlasst.

Durch die den Brand meldende Person wurde zunächst eine falsche Hausnummer angegeben, sodass alleine anhand der Hausnummer kein konkretes Objekt ausgemacht werden konnte. Beim Eintreffen an der Einsatzstelle musste jedoch festgestellt werden, dass es sich bei dem Brandobjekt um das historische Kapitelhaus der evangelischen Gemeinde St. Stephan mit ausgedehntem Dachstuhl und angrenzenden Gebäuden handelte. Darauf hin erfolgte eine nochmalige Erhöhung der Alarmstufe; nun wurden zusätzlich die Löschgruppen Dom und Stadtmitte alarmiert.

Die erste Erkundung ergab, dass sich das Gebäude im Zustand einer Baustelle befand. Personen konnten zur Zeit der Erkundung nicht mehr im Objekt angetroffen werden, doch war das Knistern des Feuers bereits im Erdgeschoss zu hören. Die Zugänglichkeit bis zum Dachboden, in welchem sich das Feuer weiter auszubreiten drohte, erfolgte über eine Treppe, die sich noch im Rohbau (ohne Treppenraum, nur provisorisches Geländer) befand. Dennoch konnte hierüber ein erster Angriff mit zwei Atemschutztrupps vorgenommen werden, wenngleich das Vordringen durch Gerüste und Verbaue teils erheblich erschwert wurde. Parallel dazu wurde ein Außenangriff über die Drehleiter der Ständigen Wache, später zur zusätzlichen Sicherung auch über die Drehleiter der Löschgruppe Stadtmitte, aufgebaut.
Im Laufe des Einsatzes verschärfte sich die Situation kurzzeitig, da sich das Feuer im nur bedingt zugänglichen Spitzboden des Objekts ausbreiten konnte; der Dachstuhl drohte vollständig durchzuzünden. Massiver Rauchaustritt aus allen Dachöffnungen und zwischen den Ziegeln war erkennbar. Quasi in letzter Sekunde konnte ein Durchzünden jedoch vermieden und das Feuer in Schach gehalten werden.
Parallel zu den Löscharbeiten wurde das durch den Boden des Dachgeschosses dringende Löschwasser in der darunter liegenden Etage abgesaugt, um weiteren Schaden zu vermeiden. Mit Löschwasser musste zudem sorgsam umgegangen werden, um die Statik des Gebäudes nicht übermäßig zu belasten; im Zuge der Sanierung wurden grundsätzlich überwiegend leicht-gewichtige Baustoffe eingesetzt.
Nach etwa einer Stunde waren alle offenen Flammen gelöscht werden. Die Nachlöscharbeiten dauerten jedoch noch bis etwa 21:00 Uhr an, bis mittels Wärmebildkamera keine Auffälligkeiten mehr festgestellt wurden. Gegen 22:00 Uhr wurde nochmals eine Brandnachschau durchgeführt, nachdem die Einsatzstelle dem zwischenzeitlich eingetroffenen Bauherrn sowie den Architekten übergeben wurde.

Neben der ohnehin oft schwierigen Einsatzlage eines Dachstuhlbrandes erschwerten zusätzliche Faktoren einen standardmäßigen Löschangriff: die Anfahrt für die Feuerwehr konnte wegen der engen Gassen rund um den Stephansplatz ausschließlich über den Oberen Stephansberg erfolgen. Dies bedeutete eine lange Anfahrt für die an- und nachrückenden Kräfte. Die Zufahrtsstraße selbst ist zusätzlich eng; es befinden sich stellenweise beiderseitig der Straße Parkplätze. Der „Ordnung des Raumes“ und einer überlegten Fahrzeugaufstellung kam eine besondere Bedeutung zu, um zu gewährleisten, dass auch nachrückende Sonderfahrzeuge wie bspw. die Drehleiter oder aber auch der Rettungsdienst ohne Behinderungen hatten an- und abfahren können.
Aufgrund der Objektkenntnis der Einsatzleitung und durch den umsichtigen und gezielten Einsatz der etwa 60 Einsatzkräfte konnten der vollständige Verlust und der Einsturz des Dachstuhls und damit weitere Gebäudeschäden vermieden werden.



Massive Rauchentwicklung ist aus der Nähe und aus größerer Entfernung zu erkennen; der Dachstuhl steht kurz vor der Durchzündung

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Fahrzeugaufstellung vor dem Gebäude

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Lagebesprechung der Einsatzleitung mit den Einheitsführern

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Blick in das „Treppenhaus“

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Fahrzeugaufstellung entlang des Stephansbergs; Anmarschwege von 150 m mussten in Kauf genommen werden.

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Text + Bild:
Bild 1 - Twitter, Christian Happke
Bild 2 - Twitter, LaFeeVerte
sowie
Alexander Wilhelm, LG 3 / UG ÖEL
und Ronald Rinklef,
Fränkischer Tag / inFranken.de



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