Brandeinsätze 2011



Großbrand bei der Fa. Vedag, 16.06.2011

Ein Großbrand mit schlussendlich dennoch relativ glimpflichem Ausgang hat sich am 16.06.2011 bei der Firma Vedag in der Geisfelder Straße ereignet.
Die Feuerwehr Bamberg wurde von der ILS Bamberg-Forchheim gegen 20:20 Uhr zur Firma Vedag alarmiert (BMA-Alarm aufgrund - wie sich herausstellte - ausgelöster Löschanlage). Beim Eintreffen der Einsatzkräfte der Ständigen Wache konnte im Produktionsgebäude eine Rauchentwicklung festgestellt werden, die in kurzer Zeit nachließ. Von Mitarbeitern der Firma Vedag wurde erklärt, dass es in einem Rührwerk für die Bitumenbahn-Produktion zu einem Feuer gekommen sei, worauf hin die installierte Kohlendioxid-Löschanlage ausgelöst und das Feuer erstickt hatte. Dem ersten Anschein nach war die Lage, nachdem sich der restliche Rauch verzogen hatte, sicher. Da jedoch noch eine umfangreiche Erkundung anstand, bei der die Ständige Wache eingebunden sein würde, wurde vom zwischenzeitlich an der Einsatzstelle eingetroffenen Stadtbrandrat die Alarmierung einer Wachbesetzung veranlasst.
Die weiteren Erkundungen an der Einsatzstelle mittels Wärmebildkamera ergaben teils relativ hohe Temperaturen an den einzelnen Produktionseinrichtungen, wobei diese jedoch alleine aufgrund der Produktionsart betriebsarttypisch sind. An einer Absaug-Rohrleitung wurde jedoch eine erhöhte Temperatur festgestellt, wobei umgehend ein zusätzliches Pulver-Großlöschgerät und der Abrollbehälter Schaummittel an die Einsatzstelle geordert wurde. Flammen waren zu diesem Zeitpunkt nirgends zu erkennen.
Weitere Messungen an den Anlagenteilen ergaben keine neuen Erkenntnisse. Noch ehe jedoch mit den Betriebsangehörigen die weiteren Einsatzmaßnahmen zum kontrollierten Abfahren und der Kontrolle der erhitzten Anlagenteile abgestimmt werden konnten, schlugen an einer Stelle plötzlich Flammen gegen die als Holzrahmengitter erbaute Dachkonstruktion, worauf sofort die Alarmierung weiterer Kräfte veranlasst wurde.
Mit dem zwischenzeitlich an der Einsatzstelle eingetroffenen Pulver-Anhänger mir 250 kg Löschpulver wurden die Flammen zunächst gebändigt, konnten jedoch nicht vollständig gelöscht werden. Auch mit den durch die vor Ort befindlichen Kräfte eingesetzten Rohre konnte das Feuer nicht unter Kontrolle gebracht, wenngleich aber die Brandausbreitung gemäßigt werden. Als besonders schwierig erwies sich die anlagentechnische Konstruktion und die bauliche Situation: zahlreiche Rohrleitungen verliefen in mehreren Ebenen und nebeneinander angeordnet unter der Dachkonstruktion erschwerten das großflächige Ausbringen des Löschwassers bis unter das Dach, wobei ein freies Bewegen in der Halle zudem die großgerätige Anlagentechnik nicht möglich war. Die besondere Holzkonstruktion im Dach begünstigte eine rasche Brandausbreitung.


Bauliche Brandlasten begünstigen den verheerenden Brandverlauf

Da die Flammen binnen kürzester Zeit die gesamte Holz-Dachtragkonstruktion im vorderen Produktionsbereich eingenommen hatte und die Löschwasserversorgung über das öffentliche Hydrantennetz an die Kapazitätsgrenze gebracht wurde, musste befürchtet werden, dass der Komplex nicht zu halten sei. Aus diesem Grunde wurden erneut weitere Kräfte alarmiert: sämtliche Löschgruppen der Stadt Bamberg, die Freiwilligen Feuerwehren aus Hallstadt, Strullendorf, Pödeldorf, Melkendorf, Unteroberndorf und Breitengüßbach, sowie die UG-ÖEL Bamberg Land und die Werkfeuerwehr der Firma Robert Bosch GmbH.

Die Löschgruppe Stadtmitte (LG 4) übernahm in dem Zeitraum, in dem die Ständige Wache im Einsatz gebunden war, die Wachbesetzung und musste währenddessen zu einem weiteren Einsatz (Brandmelde-Alarm) ausrücken.


Problem: ausreichende Löschwasserversorgung trotz großer Hydrantenleitungen

Oberste Priorität der Einsatzleitung war es, den Brand im vorderen Bereich des Brandabschnitts zu Halten und eine Brandausbreitung auf den gesamten Brandabschnitt zu vermeiden. Als zweite Priorität wurde von der Einsatzleitung die eigentliche Brandbekämpfung festgelegt.
Mit den zusätzlichen Kräften und Material konnte die Löschwasserversorgung über lange Schlauchstrecken aufgebaut werden. Insgesamt wurden dreimal zwei B-Leitungen mit Längen von jeweils ca. 600 … 700 m, insgesamt also über 3,5 km Schlauchleitung) verlegt. Dank des nun massiven Einsatzes von Löschwasser (auch Schaummittel wurde in geringen Konzentrationen beigegeben) konnte die Widerstandslinie aufrecht und das Feuer noch innerhalb des vorderen Bereichs des Brandabschnitts gehalten werden; zwar stürzten das Dach und ein Teil der Außenwand ein, doch konnte nun auch die eigentliche Brandbekämpfung massiv vorangetrieben werden, sodass sich relativ schnell auch ein Löscherfolg einstellte und der Brand gegen 22:00 Uhr unter Kontrolle war.
Die Löscharbeiten gestalteten sich aufwendig und schwierig; zwischenzeitlich konnten die Flammen auch noch einmal neue Nahrung finden und das Feuer loderte groß auf, doch dieses Aufflammen konnte schnell unter Kontrolle gebracht werden. Bis eine tatsächlich stabile Lage an der Einsatzstelle herrschte, wurden die alarmierten Kräfte bis gegen 01:30 Uhr im Bereitstellungsraum auf dem Berliner Ring (dieser wurde zwischen Moosstraße und Geisfelder Straße komplett gesperrt) gehalten.
Zwischen 02:00 Uhr und 03:00 Uhr wurden die Drehleitern der Feuerwehren aus Hirschaid und Burgebrach alarmiert, um die Drehleitern der Ständigen Wache, der Werkfeuerwehr Bosch und der Löschgruppe 1 (die Drehleiter hatte mechanischen Schaden genommen) aus dem Einsatz herauszulösen.
Um 06:00 Uhr wurden die Löschgruppen 4 und 51 zur Ablösung der Einsatzkräfte an die Einsatzstelle alarmiert, die noch bis ca. 10:00 Uhr dort im Einsatz waren, ehe die Einsatzstelle dann an den Betreiber übergeben wurde.


Die große Rauchwolke…

Seitens des Umweltamtes und der Feuerwehr wurden im Bereich der Einsatzstelle Schadstoffmessungen durchgeführt. Die große Rauchwolke ließ vermuten, dass große Mengen an Schadstoffen freigesetzt wurden. Die Messungen ergaben jedoch, dass die Grenzwerte, insbesondere für Schwefelverbindungen und Salzsäure, nicht überschritten, ja nicht einmal erreicht wurden. Dennoch wurde die Bevölkerung vorsichtshalber gewarnt und aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten, zumal eine Geruchsbelästigung dennoch feststellbar war. Die schwarzen Rauchwolken begründen sich auf dem hohen Rußanteil, wie er bei der Verbrennung von Heizöl – aber eben auch Bitumen – charakteristisch ist. Jede Ölheizung im Winter emittiert ähnliche Stoffe, wie sie beim Brand freigesetzt wurden, nur eben nicht in dieser Menge.
Nachdem der Brand gelöscht war, konnte festgestellt werden, dass tatsächlich nur geringen Mengen an Bitumen und dessen Rohprodukten, sondern im Wesentlichen die baulichen Brandlasten und konstruktiven Bauelemente verbrannt sind; die Rührwerke, Vorlagebehälter und die Medien in den Maschinen, auch die Thermalöl-Versorgung sind zwar nicht mehr nutzbar, wurden aber nicht derart beschädigt, dass größere Mengen an Bitumen oder Öl verbrannt sind bzw. konnten frühzeitig gelöscht werden. Glücklicherweise hielten die unterschiedlichen Behältnisse Stand und barsten nicht; dies hätte ein deutlich größeres Schadenszenario bedeutet…


Fazit

Wenngleich ein erheblicher Schaden bei dem Industriebetrieb zu verzeichnen ist, so konnte durch das Ergreifen erster Einsatzmaßnahmen, der sofortigen Zu-Alarmierung von weiteren Einsatzmitteln und Einsatzkräften und dem massiven Einsatz von Löschwasser – soweit es von den Hydranten aus der näheren und weiteren Umgebung zur Verfügung gestellt werden konnte – dennoch ein erfolgreicher Feuerwehreinsatz verzeichnet werden; durch die massive Brandbekämpfung an allen Seiten des Gebäudes konnte eine Brandausbreitung auf den gesamten Gebäudekomplex mit den Abmessungen von insgesamt ca. 120 m x 70 m vermieden werden. Nicht einmal der Brandabschnitt (ca. 120 m x 25 m) der Dachpappen-Produktion musste aufgegeben werden; das Feuer konnte auf eine Fläche von ca. 40 m x 25 m beschränkt werden.
Bei einem Brand dieser Dimension erreicht selbst eine Feuerwehr wie die der Stadt Bamberg ihre Einsatzgrenzen. Die gute Zusammenarbeit mit den Feuerwehren aus dem Landkreis, unabhängig davon, ob sie im Bereitstellungsraum abrufbereit oder direkt in die Brandbekämpfung eingebunden waren, soll an dieser Stelle dankend erwähnt werden. Ein Dank gilt auch der Werkfeuerwehr der Firma Bosch, die mit Mannschaft und Sondergerät den Einsatz unterstütze. Auch den weiteren Firmen, die Schaummittel bereitgestellt hatten, sei gedankt.
Auch dem Rettungsdienst sei Dank ausgesprochen für die Bereitstellung der – glücklicherweise nicht notwendig gewesenen – medizinischen Versorgung, aber auch für die Verpflegung der insgesamt ca. 280 Einsatzkräfte.





Einsatzbilder Teil 1

Einsatzbilder Teil 2

Einsatzbilder Teil 3

Einsatzbilder Teil 4